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Sterbfritzer Dorfchronik
Sterbfritzer Dorfchronik

Die Namen der ermordeten jüdischen Sterbfritzer

Monica Kingreen

 

 

Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts haben Christen und Juden gemeinsam in Sterbfritz gelebt und das dörfliche Leben gestaltet. Von etwa 1835 bis zum ersten Weltkrieg betrug der jüdische Bevölkerungsanteil immer mehr als 10 Prozent. 1926 zeigt das Adressbuch für Sterbfritz 29 Einträge jüdischer Familien.


Während des Nationalsozialismus wurden die jüdischen Sterbfritzer verfolgt, isoliert, ghettoisiert und gewaltsam deportiert und in den Vernichtungslagern vergast.
Besonders nach Verkündung der sogenannten Nürnberger Gesetze, die rechtlich aus jüdischen Deutschen Menschen zweiter Klasse machten, betrieben zahlreiche Sterbfritzer, soweit sie die finanziellen Mittel dazu hatten, ihre Auswanderung aus Deutschland. Nach den schweren Ausschreitungen im November 1938 gegen die jüdischen Familien, ihre Wohnungen und ihr Gotteshaus, die Synagoge, flohen zahlreiche Menschen nach Frankfurt, um Zuflucht zu finden. In den Jahren 1941 und 1942 wurden sie aus Frankfurt deportiert. Aber es verblieben auch noch jüdische Menschen in Sterbfritz. Die Volkszählung vom Mai 1939 nennt 24 Personen, die in Sterbfritz gemeldet waren. Ab September 1941 mussten sie den sogenannten 'Judenstern' tragen, im April 1942 wurden auch ihre Wohnungen mit dem Stern gezeichnet. Am 30. Mai 1942 wurden zwei Familien Hecht mit vier jugendlichen Kindern aus Sterbfritz deportiert, im August 1942 wurden vier alte jüdische Sterbfritzer gezwungen, in die Kreisstadt nach Schlüchtern in ein Ghettohaus für Juden zu ziehen. Von dort wurden sie dann am 5. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, starben dort oder wurden von dort weiterdeportiert in die Vernichtungslager Treblinka oder Auschwitz.


Im folgenden sind ihre Namen erstmals zusammengestellt und mit den neuesten Nachforschungen zu dem weiteren Schicksal der einzelnen Menschen von mir ergänzt worden. 1) Möglicherweise ist die Aufstellung noch unvollständig. Insgesamt sind die Namen von 58 Menschen, die während der NS-Zeit ermordet wurden, zusammengetragen. 31 Personen von diesen lebten im Jahre 1933 in Sterbfritz. Es sind die alten Adressen aufgeführt, so zum Beispiel die Mittelstraße, die heute 'Im Aspen' heißt.

 

Abraham Birk, geboren am 9.3.1862 in Sterbfritz, lebte bis zum Juni 1939 in Sterbfritz in der Mittelstraße 4, zog dann nach Frankfurt. Von dort wurde er als 80-jähriger Mann im Sommer 1942 in das Ghetto Theresienstadt (bei Prag) verschleppt, wo er nach kurzer Zeit am 5.9.1942 starb.

 

Michael Birk, geboren am 28.2.1872 in Sterbfritz, war Viehhändler, verheiratet mit Rita Birk; das Ehepaar hatte einen Sohn Max, geboren 1901, und eine Tochter Toni, geboren 1904. Die Familie lebte in Sterbfritz, Im Hof 3. Nach den Ausschreitungen im November 1938 meldeten sich Michael Birk und seine Frau Frieda am 27. Dezember 1938 von Sterbfritz nach Frankfurt, Brüder-Grimm-Straße 3 ab. Drei Tage später starb Frieda Birk. Im Sommer 1942 wurde er von dort aus im Alter von 70 Jahren gewaltsam in  das Ghetto Theresienstadt verschleppt, nach zwei Jahren von dort nach Auschwitz deportiert, wo er vergast wurde.

 

Georg Fries, geboren am 18.7.1913 in Nürnberg, war seit 1934 der Lehrer und Kantor der Jüdischen Gemeinde. Er lebte in der Brückenauer Straße 34. Im Februar 1939 verließ er Sterbfritz und zog nach Würzburg, wo er Lehrer an der dortigen Jüdischen Volksschule wurde. Im November 1941 wurde er von dort nach Riga deportiert. Nach Zwangsarbeit in verschiedenen Lagern starb Georg Fries in Bergen-Belsen wenige Tage vor der Befreiung.

 

Abraham Goldschmidt, geboren am 31.3.1866 in Sterbfritz, war Kaufmann und Viehhändler in Sterbfritz in der Mittelstraße 2. Er war verheiratet mit Amalie Goldschmidt, geb. Goldschmidt, geboren, geboren am 8.4.1871 in Sterbfritz. Das Ehepaar hatte vier Töchter: Erna, Hilde, Emma und Bella. Die Ausschreitungen im November 1938 musste das Ehepaar Goldschmidt in Sterbfritz erdulden. Es ist unklar, ob sich Abraham Goldschmidt unter den jüdischen Männern befand, die in diesen Tagen verhaftet und für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden waren. Er war zu dieser Zeit bereits 72 Jahre alt.
Im Mai 1942 waren Abraham und Amalie Goldschmidt im Rahmen der weiteren Ghettoisierung der jüdischen Bewohner gezwungen, nach Schlüchtern zu ziehen. Sie lebten dort in dem Ghettohaus Unter den Linden 12-14. Am 5. September 1942 wurde das Ehepaar Goldschmidt gemeinsam mit elf weiteren jüdischen Menschen im Alter von 76 und 71 Jahren aus Schlüchtern nach Kassel verschleppt und von dort in das Ghetto Theresienstadt. Nach einigen Wochen wurden die beiden alten Menschen am 29. September nach Treblinka in das Vernichtungslager deportiert und unmittelbar nach der Ankunft vergast.

 

Malchen Goldschmidt, geb. Heidelberger, geboren am 22.4.1881 in Burgsinn. Seit ihrer Heirat - etwa um die Jahrhundertwende - mit Felix Goldschmidt, geboren 1876 in Sterbfritz, lebte Malchen Goldschmidt in Sterbfritz. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Max, geboren 1906, und Julius, geboren 1909. Felix Goldschmidt war Kaufmann, Reisender, heute würde man Vertreter sagen. Die Familie lebte in der Kinzigstraße 18.
Die Ausschreitungen im November 1938 musste das Ehepaar Goldschmidt in Sterbfritz erdulden, Es ist unklar, ob sich Felix Goldschmidt unter den jüdischen Männern befand, die in diesen Tagen verhaftet und für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden waren. Er war zu dieser Zeit bereits 62 Jahre alt.
Nach dem Tode ihres Mannes zog Malchen Goldschmidt Ende 1940 nach Frankfurt in die Schützenstraße 12. Von dort wurde sie am 22. November 1941 gemeinsam mit 991 jüdischen Menschen nach Kaunas in Litauen verschleppt. Unmittelbar nach der Ankunft des Transportes wurden alle 992 Menschen erschossen. Malchen Goldschmidt war 60 Jahre.

 

Josef Goldschmidt, geboren am 19.9.1876 in Sterbfritz, war verheiratet mit Klara Sara Goldschmidt, geb. Bravmann, geboren am 26.10.1873 in Unteraltertheim; das Ehepaar hatte drei Kinder: Arthur, geboren 1906, Minna, geboren 1907, und Erna, geboren 1910. Josef Goldschmidt war Viehhändler und Kaufmann, die Familie lebte in der Breuningser Straße 2, eine andere Angabe lautet Kinzigstraße 1. Die Ausschreitungen im November 1938 musste das Ehepaar Goldschmidt in Sterbfritz erdulden. unklar, ob sich Josef Goldschmidt unter den jüdischen Männern befand, die in diesen Tagen verhaftet und für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden waren. Er war zu dieser Zeit bereits 62 Jahre alt.
Im Mai 1939 verzogen Klara und Josef Goldschmidt nach Frankfurt, Heidestraße 32. Josef und Klara Goldschmidt wurden am 22. November 1941 im Alter von 65 und 68 Jahren nach Litauen verschleppt. Unmittelbar nach der Ankunft des Transporters wurden alle 992 Menschen erschossen.

 

Jakob Hecht, geboren am 20.3.1884 in Mottgers, war Pferdehändler in Sterbfritz. Verheiratet war er mit Elsa Hecht, geb. Baer, geboren am 24.12.1895 in Crainfeld. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, einen Jungen Lothar Hecht, geboren am 13.9.1923 in Sterbfritz, und ein Mädchen Steffi Hecht, geboren am 11.12.1927 in Sterbfritz. Die Familie lebte in der Brückenauer Straße 34. Die Familie musste die 'Kristallnacht' 1938 in Sterbfritz erleben. Jakob Hecht war vermutlich verhaftet und für einige Wochen nach Buchenwald in das KZ verschleppt worden. Auch der Vater von Frau Elsa Hecht, Joseph Baer, geboren am 15.3.1869 in Crainfeld, lebte seit 1937 bei der Familie seiner Tochter in Sterbfritz. Die Jugendlichen besuchten jüdische Schulen und Ausbildungstätten in Frankfurt und lebten auch dort. Steffi Hecht besuchte 1939 auch eine Zeitlang die jüdische Bezirksschule in Bad Nauheim, dann lebte sie im Heinemannschen Institut, einem Heim für Mädchen, und besuchte das Philantropin.
Am 30. Mai 1942 wurden die Eltern und die Kinder aus Sterbfritz verschleppt - über das Sammellager in Kassel - in das Konzentrationslager Majdanek, wo vermutlich auch der 19-jährige Lothar Hecht als Arbeitssklave aus dem Zug herausgeholt wurde. Der Zug fuhr weiter direkt in das Vernichtungslager Sobibor bei Lublin. Dort wurden die Eltern und die 14-jährige Tochter Steffi vergast.
Der alte Vater/Großvater war in Sterbfritz geblieben. Er wurde einige Monate später gezwungen, mit anderen jüdischen Sterbfritzer nach Schlüchtern zu ziehen in das Ghettohaus Unter den Linden 12-14. Am 5. September 1942 wurde er von dort über Kassel gewaltsam in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, von dort drei Wochen später am 29.9.1942 nach Treblinka in das Vernichtungslager, wo er vergast wurde.

 

Meier Hecht, geboren am 27.12.1885 in Mottgers, war Händler in Sterbfritz. Er war verheiratet mit Gitta Hecht, geb. Goldschmidt, geborenam 20.7.1890 in Sterbfritz, das Ehepaar hatte zwei Kinder: Ludwig Hecht, geboren am 26.7.1923 in Sterbfritz, und Sophie Hecht, geboren am 9.2.1926 in Sterbfritz. Die Familie lebte in der Brückenauer Straße 32, unmittelbar neben dem Bruder Jakob Hecht.
Die Familie musste die 'Kristallnacht' 1938 in Sterbfritz erleben.Die Jugendlichen besuchten jüdische Schulen und Ausbildungsstätten in Frankfurt und lebten auch dort. Sophie Hecht besuchte 1939 auch eine Zeitlang die Jüdische Bezirksschule in Bad Nauheim, dann lebte sie in Frankfurt im Heinemannschen Institut, einem Heim für Mädchen, und besuchte das Philantropin.
Kurz vor der Deportation kehrten die Jugendlichen aus Frankfurt zurück. Die ganze Familie wurde am 30. Mai 1942 aus Sterbfritz über das Sammellager in Kassel nach Majdanek/Lublin deportiert. Dort wurde der 19-jährige Sohn Ludwig aus dem Zug gezerrt, und im Lager Majdanek zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der Zug fuhr weiter nach Sobibor in das Vernichtungslager. Die Eltern und die 15-jährige Sophie dürften unmittelbar nach der Ankunft des Zuges vergast worden sein.

 

Der Kaufmann Max Mayer Hecht, geboren am 14.8.1881 in Oberzell, lebte mit seiner Ehefrau Lina Hecht, geb. Goldschmidt, geboren am 1.6.1871 in Oberzell, und deren Schwester Emma Goldschmidt, geboren 1874, in der Mittelstraße 7 neben der Synagoge. Alle drei mussten die 'Kristallnacht' 1938 in Sterbfritz erleben. Wahrscheinlich war Max Hecht verhaftet und für einige Wochen in das KZ Buchenwald verschleppt worden. Die Schwägerin Emma Goldschmidt starb im Juli 1939 in Sterbfritz.
Das Ehepaar Hecht musste im August 1942 nach Schlüchtern in das Ghettohaus Unter den Linden 12-14 ziehen. Von dort wurde das Ehepaar Lina und Meyer Hecht in das Ghetto Theresientadt verschleppt. Die 71-jährige Lina Hecht starb bereits im Sammellager in Kassel oder auf dem Transport nach Theresienstadt. Max Hecht starb nach mehr als eineinhalbjähriger Gefangenschaft im Ghetto Theresienstadt am 7.4.1944 im Alter von 63 Jahren.

 

Lazarus Hecht, geboren am 15.7.1875 in Oberzell, war Hausierer, er lebte unverheiratet im Hause seines Bruders Max Hecht. Im August 1942 muss er mit den noch in Sterbfritz lebenden Juden nach Schlüchtern in das Ghettohaus Unter den Linden 12-14 ziehen. Von dort wurde er am 5.9.1942 nach Kassel in das Sammellager verschleppt und von dort zwei Tage später in das Ghetto Theresienstadt. Dort lebt der 67-jährige Lazarus Hecht noch drei Wochen, bis er am 29. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka transportiert und unmittelbar nach der Ankunft vergast wurde.

 

Leopold Kahn, geboren am 12.5.1872 in Mogendorf/Westerwald war Gemüsehändler in Sterbfritz. Vermutlich lebte er dort etwa seit der Jahrhundertwende, der Zeit seiner Eheschließung mit Hannchen Kahn, geb. Goldschmidt, geboren am 26.10.1873 in Sterbfritz. Das Ehepaar hatte vier Kinder: Arthur, geboren 1903, Bertha geboren 1907, und Julius, geboren 1908. Die Familie lebte in der Mittelstraße 9. Das Ehepaar Kahn versah die Hausmeisterdienste in der Israelitischen Schule in Sterbfritz. Die Eltern und die Tochter mussten in Sterbfritz die 'Kristallnach' 1938 erleben. Unmittelbar danach verließ Bertha Kahn Sterbfritz und zog nach Frankfurt. Dort heiratete sie einen Herrn Mosheim. Gemeinsam mit ihm wurde sie im Frühsommer 1942 aus Frankfurt verschleppt und im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Sie war 34 Jahre alt.
Leopold und Hannchen Kahn verließen Sterbfritz im April 1939 und zogen nach Frankfurt in die Windecker Straße 33. Drei Jahre später wurde das Ehepaar Kahn von dort gewaltsam nach Theresienstadt verschleppt. Hannchen Kahn starb dort nach einigen Wochen am 24.12.1942 im Alter von 69 Jahren, Leopold Kahn nach mehr als einjähriger Gefangenschaft im Ghetto Theresienstadt am 26.10.1943 im Alter von 71 Jahren.

 

Moritz Mansbach, geboren am 28.8.1881, war von 1921-1934 Lehrer der jüdischen Gemeinde Sterbfritz, Vorsänger und Schächter. Er war verheiratet mit Lea Mansbach, geb. Katz, geboren am 9.4.1882. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Theo und Irmgard, geboren 1914. Die Familie lebte in der Breuningser Straße 2. Im Mai 1934 verließ Lehrer Mansbach mit seiner Frau und der Tochter Sterbfritz, um die leitende Stelle der Jüdischen Gemeinde Guxhagen anzunehmen. Im Dezember 1941 wurde das Ehepaar Mansbach von Kassel aus nach Riga in Lettland verschleppt. Nach einer Zeit im dortigen Ghetto wurden sie erschossen.

 

Aron Marx, geboren am 19.11.1881 in Sterbfritz, und seine Ehefrau Betti Marx, geb. Weichsel, geboren am 27.10.1881 in Rimbach, führten ein Textilwaren- und Ofengeschäft in der Brückenauer Straße 28. Im ersten Weltkrieg wurde Aron Marx schwer kriegsbeschädigt.
Das Ehepaar Marx musste die 'Kristallnacht' in Sterbfritz miterleben. Vermutlich war Aron Marx verhaftet und für einige Wochen nach Buchenwald in das KZ verschleppt worden. Im Juni 1939 verließ das Ehepaar Sterbfritz, um nach Frankfurt in die Gaußstraße 30 zu ziehen. Mehr als drei Jahre später wurde das Ehepaar Marx von dort gewaltsam nach Theresienstadt verschleppt. Betti Marx starb dort am 11.12.1942 im Alter von 61 Jahren, Aron Marx nach mehr als einjähriger Gefangenschaft im Ghetto Theresienstadt am 12.11.1943 im Alter von 61 Jahren.

 

Martha Neuhaus, geboren am 7.3.1907 in Sterbfritz, war die Tochter des langjährigen Lehrers der Jüdischen Gemeinde. Im Juli 1937 verzog sie nach Frankfurt an den Danziger Platz, später lebte sie in der Rückertstraße. Am 24. Mai 1942 wurde sie im Alter von 35 Jahren aus Frankfurt vermutlich in das Ghetto von Izbica in Polen deportiert und später im Vernichtungslager Sobibor vergast.

 

Emma Schuster, geboren am 23.9.1877 in Sterbfritz, lebte mit ihrem Bruder Moses und dessen Familie in der Breuningser Str. 2. Im Mai oder Juni 1942 wurde sie aus Frankfurt im Alter von 64 Jahren "in den Osten" deportiert, wo sie vermutlich im Vernichtungslager Sobibor vergast wurde.

 

Rosa Schuster, geb. Steinfeld, geboren am 12.6.1891 in Josbach, war verheiratet mit Abraham Schuster, geboren am 2.8.1885 in Sterbfritz, der in Sterbfritz ein Manufakturwaren-geschäft und ein Möbellager führte. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Bertha Schuster, geboren am 11.2.1921 in Sterbfritz, Margot Schuster, geboren am 19.10.1922 und Heinz Schuster,geboren am 18.3.1926. Die Familie lebte in der Schlüchterner Straße 24. Im Alter von 50 Jahren starb Abraham Schuster, und Rosa Schuster war Witwe. Anfang des Jahres 1938 verließ sie Sterbfritz. In Frankfurt wurde sie 1939 Leiterin des Jüdischen Altersheimes im Röderbergweg 77. Den Sohn Heinz konnte Rosa Schuster mit einem Kindertransport nach Frankreich, später USA, retten, während die beiden Töchter auch im Altersheim angestellt waren. Im August 1942 wurde das jüdische Altersheim in den Hermesweg 5-7 verlegt. Am 24.9.1942 wurde die 51-jährige Rosa Schuster gemeinsam mit ihren beiden 19 und 21 Jahre alten Töchtern Margot und Berthel aus Frankfurt deportiert. Rosa Schuster und ihre Tochter Margot Schuster wurden unmittelbar nach der Ankunft des Transportes in Estland ermordet. Bertha Schuster wurde nach dem Aufenthalt in (verschiedenen) Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern in Bergen-Belsen von den Engländern befreit und wanderte nach Amerika aus.

 

 

 

Bereits vor 1933 waren zahlreiche jüdische Sterbfritzer aus ihrem Geburtsort weggezogen; oft wegen Eheschließung, aber auch aus beruflichen Gründen. Von diesen wurden die folgenden Personen ermordet:

 

Samuel Birk, geboren am 11.2.1871 in Sterbfritz, wurde im Sommer 1942 aus Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb er einige Monate später am 13.1.1943 im Alter von 72 Jahren.

 

Moses Birk, geboren am 4.12.1868 in Sterbfritz, wurde aus Laudenbach/Karlstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 25.12.1942 im Alter von 76 Jahren starb.

 

Emma Adler, geb. Birk, geboren am 22.3.1870 in Sterbfritz, lebte etwa seit der Jahrhundertwende nach ihrer Heirat mit Salomon Adler, geboren am 22.5.1869 in Altwiedermus, in Lieblos. Dort betrieb das Ehepaar Adler einen Gemischtwaren- und einen Testilhandel. 1938 zogen Emma und Salomon Adler nach Frankfurt zu ihrer Tochter Dina und deren Ehemann, alle wurden aus Frankfurt deportiert. Emma Adler wurde im Sommer 1942 aus Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Dort starb sie wenige Wochen nach ihrer Ankunft am 10.10.1942 im Alter von 72 Jahren.

 

Hermine Kaufmann, geb. Dessauer, geboren am 22.6.1897 in Sterbfritz, verließ nach ihrer Heirat mit Hugo Kaufmann im Jahr 1921 Sterbfritz. Aus Karlsruhe wurde sie zusammen mit ihrem Ehemann im Oktober 1940 zunächst nach Gurs in Frankreich und danach nach Ausschwitz verschleppt und dort ermordet.

 

 

Lion Goldschmidt, geboren am 4.5.1884 in Sterbfritz, lebte seit 1909 in Schlüchtern in der Fuldaer Straße 10; verheiratet war er mit Johanna Goldschmidt, geboren 1887 in Langsdorf. Nachdem die beiden Kinder Bruno und Irmgard nach Palästina ausgewandert waren, zog das Ehepaar im Jahre 1937 nach Frankfurt. Von dort wurden Lion und Johanna Goldschmidt im Frühsommer 1942 in den Osten deportiert, Lion Goldschmidt gilt als 'verschollen'.

 

David Goldschmidt, geboren am 13.8.1896 in Sterbfritz, wurde im Juni 1942 aus Bendorf-Sayn nach Izbica/Polen deportiert und ermordet.

 

Emanuel Goldschmidt, geboren am 18.7.1867 in Sterbfritz, wurde aus Unna in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 2.6.1943 im Alter von 75 Jahren starb.

 

Natalie Nussbaum, geb. Goldschmidt, geboren am 10.12.1873 in Sterbfritz, wurde aus Frankfurt im Oktober 1941 im Alter von 68 Jahren in das Ghetto Lodz deportiert und ermordet.

 

Gitta Oppenheimer, geb. Goldschmidt, geboren am 4.1.1858 in Sterbfritz, war seit 1880 verheiratet mit Meier Oppenheimer aus Lich (geboren am 20.4.1854 in Langsdorf). 1918 wurde sie Witwe. Ab einem nicht bekannten Zeitpunkt lebte sie in Schlüchtern. Im August 1937 verließ sie wegen der Verfolgung Schlüchtern und zog nach Frankfurt. Fünf Jahre später, im Sommer 1942, wurde sie aus Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 18.11.1942 im Alter von 84 Jahren starb.

 

Fanny Hamburger, geb. Goldschmidt, geboren am 24.2.1869 in Sterbfritz, wurde aus Regensburg in Das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 20.10.1942 im Alter von 73 Jahren starb.

 

Johanna Nussbaum, geb. Goldschmidt, geboren am 23.1.1882 in Sterbfritz, wurde im Mai 1942 aus Fulda in das Vernichtungslager Sobibor deportiert.

 

Rosa Marx, geb. Goldschmidt, geboren am 24.10.1870 in Sterbfritz, wurde aus Trier in das Ghetto Lodz deportiert, wo sie am 23.3.1942 im Alter von 71 Jahren starb.

 

Adelheid Rosenberg, geb. Goldschmidt, geboren am 23.12.1869 in Sterbfritz, wurde aus Fulda im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 25.9.1942 starb.

 

Irma Sommer, geb. Goldschmidt, geboren am 31.5.1902 in Sterbfritz, wurde aus Frankfurt im November 1941 im Alter von 39 Jahren nach Kaunas in Litauen deportiert, nach der Ankunft wurden alle 992 Menschen des Transportes erschossen.

 

Dora Luss, geboren am 31.3.1876 in Sterbfritz. Sie war eine Tochter des Lehrers der jüdischen Gemeinde, Markus Luss, der von 1868 bis 1901 die Jüdische Gemeinde Sterbfritz geführt hatte. Sie wurde aus Unna in das Ghetto von Minsk in Weißrussland deportiert, wo sie nach einigen Monaten ermordet wurde.

 

Markus Marx, geboren am 2.9.1883 in Sterbfritz, wurde aus Frankfurt nach dem Osten deportiert, er gilt als verschollen.

 

Hannchen Schuster, geb. Marx, geboren am 21.10.1869 in Sterbfritz, wurde aus Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 14.2.1944 im Alter von 74 Jahren starb.

 

Emma Heinemann, geb. Schuster, geboren am 6.5.1879 in Sterbfritz, wurde im November 1941 im Alter von 62 Jahren nach Kaunas in Litauen deportiert; nach der Ankunft wurden alle 992 Menschen des Transportes erschossen.

 

Ricka Müller, geb. Schuster, geboren am 14.4.1886 in Sterbfritz 1942 im Alter von 56 Jahren aus Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

 

Auguste Stern, geb. Schuster, geboren am 10.9.1880 in Sterbfritz, wurde aus Frankfurt im Sommer 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort nach einigen Monaten in das Vernichtungslager Ausschwitz verschleppt und vergast.

 

Minna Weis, geb. Schuster, geboren am 14.10.1882 in Sterbfritz, wurde im November 1941 im Alter von 59 Jahren aus ihrer Wohnung in Frankfurt in der Hölderlinstraße 12 nach Kaunas in Litauen deportiert; nach der Ankunft wurden alle 992 Menschen des Transportes erschossen.

 

Pauline Adler, geb. Schuster, geboren am 12.3.1870 in Sterbfritz, wurde aus Würzburg in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 26.4.1943 im Alter von 73 Jahren starb.

 

Ernestine Holzinger, geb. Schuster, geboren am 25.8.1867 in Sterbfritz, wurde aus Würzburg in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie im Alter von 76 Jahren am 31.3.1943 starb.

 

 

 

 

 

Elka Jakob, geb. Schuster am 22.6.1868 in Sterbfritz, wurde aus Büdesheim, Kreis Friedberg, am 15.9.1942 über das Sammellager Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie wenige Wochen später am 15.10.1942 im Alter von 73 Jahren starb.

 

Johanna Strauss, geboren am 15.5.1894, lebte zu einer nicht bekannten Zeit in Sterbfritz. Sie wurde in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und ermordet.

 

Lina Bauer, geb. Strauss, geboren am 17.4.1882 in Sterbfritz, wurde aus Würzburg in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie im Alter von 61 Jahren am 23.2.1944 starb.

 

Deborah Warschauer, geb. Weisskopf, geboren am 8.7.1868 in Sterbfritz, wurde aus Fürth in das Ghetto Minsk in Weißrussland deportiert, wo sie ermordet wurde.

 

1) Die Namen der Ermordeten wurden auf der Grundlage nachstehend aufgeführter Quellen von der Verfasserin zusammengestellt:

 

  • Maschinenschriftliche Aufstellung 'Ehemalige jüdische Bürger der Gemeinde Sterbfritz, Kreis Schlüchtern mit dem Stand des Jahres 1935 in familienmäßiger Zusammenstellung der Gemeinde Sterbfritz' sowie einer handschriftlichen Zusammenstellung, die nach 1945, vermutlich zu Beginn der sechziger Jahre aufgrund von Abmeldeunterlagen der Gemeinde erstellt wurden.
  • Angaben der Volkszählung vom 17. Mai 1939
  • Namen von Menschen, die in Schlüchtern geboren und aus Frankfurt deportiert wurden, nach den Recherchen des Jüdischen Museums in der dortigen Datenbank
  • Listen der Ausbürgerungen aus dem Deutschen Reich
  • Nach zwei Listen der zur Deportation vorgesehener Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel am 1. Juni 1942 und am 7. September 1942
  • die Geburtsort- und Wohnortslisten des Bundesarchivs in Berlin für die Gemeinde Sterbfritz

Diese Namen wurde ergänzt mit den Daten der Deportation und den Deportations-zielen nach dem neuesten Stand der Forschungen. Siehe dazu auch Monica Kingreen:
Deportation. In: Pfeifer, Monika Ilona, Kingreen, Monica: Hanauer Juden 1933-1945.
Entrechtung, Verfolgung, Deportation; Hanau 1998, S. 97-133.
Monica Kingreen: Gewaltsam verschleppt aus Frankfurt. Die einzelnen Deportationen von Juden in den Jahren 1941-1945. In: Monica Kingreen (Hrg.), "Nach der Kristallnacht". Jüdisches Leben und antijüdische Politik 1938-1945 in Frankfurt am Main, Frankfurt/New York 1999.

 

Bearbeitung Jochen Melk

August 2022

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