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Sterbfritzer Dorfchronik
Sterbfritzer Dorfchronik

Familie Birk

von Dirk Ebenhöch

 

 

In einer Liste von 1811 aus dem Amt Schwarzenfels geht es darum, dass jüdische Männer einen ständigen Familiennamen annehmen sollen. So nahmen die Brüder Jüttel und Samuel, Sohn des David, den Namen Birk an. Zum besseren Verständnis steht in Klammer immer die jeweilige Generation. 

 

1.) Der schriftliche Urvater ist David. Zu ihm konnten keine Daten ermittelt werden. Die Söhne werden in zwei Linien aufgeteilt, wie sie auch im Dorf gelebt haben. So behält man besser den Überblick.

 

Die Familie des Jüttel Birk

2.) Aus Jüttel, Sohn des David, wurde Jüttel Birk, geboren am 01.03.1770 in Sterbfritz. Er wird in der Stammrolle der Gemeinde Sterbfritz von 1824 als Hauseigentümer 83 geführt, heute Brückenauerstraße 14. Er war mit Pesle (Beßle) verheiratet, die aus Züntersbach stammen soll und um 1774 geboren sei. Hier kann es sich nur um seine zweite Frau handeln, da er 1824 als Wittwer bezeichnet wurde. Sie verstarb am 13.02.1847. Das Todesdatum von Jüttel konnte nicht ermittelt werden.

 

Aus der Stammrolle der Gemeinde Sterbfritz von 1824.

 

Kinder: 

David, geb. am 04.10.1794

Teinel (Deinel), geb. um 1792

Jitl, geb. um 1796

Jette, geb. um 1798

Rapel (Raphael), geb. am 01.02.1803 (Raphael)

Merle, geb. um 1805

Jüttel, geb. am 04.10.1813

 

3.) Tochter Teinel heiratete Löb Hecht aus Oberzell und verstarb im Alter von 70 Jahren am 10.03.1862.

 

3.) Tochter Merle heiratete Mendel Goldschmidt aus Heubach. Sie erlag am 24.08.1841 als Wöchnerin einer schweren Geburt.

 

3.) Tochter Jitl heiratete den aus Sterbfritz stammenden Joseph Goldschmidt und verstarb am 01.12.1845 in Sterbfritz. (siehe bei Familie Goldschmidt)

 

3.) Zu der Töchtern  Jette konnten keine weiteren Daten gefunden werden.

                

3.) Der Sohn David heiratete Bella Berliner aus Wertheim. Sie übernahmen das Haus von seinen Eltern in der Brückenauerstraße 14.

 

Das Wohnhaus 2019

 

David verstarb am 25.03.1844 mit 51 Jahren und Bella am 21.07.1853 mit 57 Jahren.

Kinder:

Lippert, geb. am 12.06.1826

Juda, geb. am 27.01.1828

Feis, geb. am 24.01.1830

Lob, geb. am 25.02.1834

Aron, geb. am 22.10.1835

Mende, geb. am 14.07.1837

 

4.) Dessen Sohn Feis wanderte im Mai 1847 in die USA aus.

 

4.) Der Sohn Juda heiratete am 19.01.1859 in Sterbfritz Madel (Mathilda) Birk, geb. am 29.03.1840 in Sterbfritz. Sie übernahmen das Haus der Eltern. Madel verstarb am 02.08.1873 mit 33 Jahren und Juda am 27.08.1890 in Sterbfritz.

 

Kinder: 

Betti, geb. am 30.11.1859

Kind, geb. am 06.03.1862, Todgeburt

David, geb. am 03.03.1863

Joseph, geb. am 13.03.1865

 

5.) Betti heirate Joseph Birnbaum aus Rotenburg an der Fulda am 6. August 1884 in Fulda und starb unerwartet am 31.08.1884 in Rotenburg an der Fulda. Die Zeitschrift „Der Israelit“ vom 18. September 1884 berichtete über den tragischen Tod von Betti Birnbaum, geb. Birk.

 

 

5.) Der Sohn David heiratete am 20.08.1891 in Neustadt Rachen Bachrach aus Neustadt, geb. am 12.05.1869. Sie zogen nach Fulda, wo er 1895 einen Großhandel für Kurzwaren gründete; beide wohnten am Buttermarkt. Durch Fleiß brachten Sie es zu Wohlstand; sie zogen dann in die Straße Simpliziusbrunnen 1/3, wo Tochter Mathilde am 10.07.1894 geboren wurde. Sie verstarb mit nur 2 Jahren am 12.10.1896. 

 

Sohn Julius Juda geb. am 10.07.1892

 

Sohn Julius Juda, geb. am 10.07.1892, trat 1919 als Teilhaber in die Firma ein und heiratet seine Cousine Betti Birk aus Sterbfritz (siehe Tochter Joseph Birk). David zog zu seinem Sohn in die Bahnhofstraße 18, wo er am 30.03.1932 verstarb.

 

 

 

 

 

5.) Joseph heiratet am 09.04.1890 im Standesamt Oberzell Regina (Ritta) Stern, geb. am 22.04.1874 in Zünterbach. Sie wohnten erst im Haus Nr. 84 bei Schusters zur Miete, dann im Haus Nr. 34, heute Am Rathaus 13.

 

 

um 1920

Er kaufte das ehemalige Anwesen 126, dann 166 und lies das alte Haus abreißen, um das stattliche Backsteinhaus (heute Am Rathaus 15) zu bauen.

 

Er war als Viehhändler tätig und hatte auch schon einen Telefonanschluss. Über dieses Ehepaar hat uns Max Dessauer in seinem Buch „Aus unbeschwerter Zeit“ eine schöne Anekdote hinterlassen. Da es in Sterbfritz nur zwei Häuser mit Balkon zu jener Zeit gab, kann es sich nur um die Birks gehandelt haben, da das andere Haus mit Balkon die Villa der ehemaligen Dampfziegel war, die später Dr. Reinhardt gekaufte hatte. Jedenfalls waren sie so stolz auf ihr neues Haus, dass sie es der Bevölkerung, ob jüdisch oder christlich, vorführten. Doch sie selbst sollen im Souterrain sehr einfach gewohnt haben.

 

Nach der Machtergreifung durch Hitler kam es 1934 auch zu Sachbeschädigungen am Haus, wie auch bei anderen jüdischen Bewohnern in Sterbfritz.

1936 verkaufte er das Haus an den Bäckermeister Philipp Freund von Sterbfritz.

Sie zogen nach Frankfurt am Main und wohnten in der Haunauer Landstraße 12 bei ihrer Tochter Esther, wo Joseph am 02.10.1941 einer Lungenentzündung und Diabetes erlag. Seine Frau verstarb knapp ein halbes Jahr darauf am 16.03.1942.

 

Kinder:  

Mathilda, geb. am 24.03.1892

Juda, geb. am 19.06.1893, gestorben am 02.11.1893

Esther (Emmy), geb. am 07.08.1994 

Max, geb. am 27.07.1896  (24.07.1896 ?)

Betti, geb. am 20.12.1898

David (Otto), geb. am 12.09.1902

 

6.) Josephs Tochter Mathilde heiratete am 11.07.1913 in Frankfurt den Kaufman Eugen Weil, geb. am 28.08.1884, wohnhaft in der Rückersstraße 46. Sie immigrierten mit ihrer Familie in die USA, wo Eugen am 25.04.1947 in Manhattan starb; Mathilde starb am 04.01.1988.

 

Schlüchterner Zeitung 15.11.1919

6.) Josephs Tochter Ester heiratete in Frankfurt am 03.02.1920 den Börsenmakler Max Stern, geb. am 05.04.1883 in Schlüchtern.

Sie bekamen eine Tochter. Max Stern verstarb am 17.01.1934 in Frankfurt. Ob Ester (Emmy) emigrieren konnte, ist nicht bekannt.

 

6.) Josephs Tochter Betti, Bella genannt, heiratete am 29.08.1922 ihren Verwandten Julius Juda Birk aus Fulda, geb. am 10.07.1892 in Fulda, der Teilhaber in der Kurzwarengroßhandlung seines Vaters war. In den 1920er Jahren waren bis zu 15 Angestellte bei ihm tätig. Sie bewohnten ein schönes Haus in der Bahnhofstraße 18. Am 26.04.1938 verkaufte er seine Firma; es war geplant in die USA zu immigrieren. Dies rief die Aufmerksamkeit der Devisenstelle des Oberfinanzpräsidenten in Kassel hervor, sodass das Vermögen zur Sicherheitsverwahrung beschlagnahmt wurde. Nun mussten Julius und Betti jeden Betrag, der über die ihnen vom Finanzamt zugemessen Summe hinausging beim Amt beantragen. In den Pogromtagen wurde ihre Wohnung überfallen und verwüstet. Julius wurde nach Buchenwald verschleppt und misshandelt. Nach zwölf Tagen wurde er entlassen. Sie organisierten hastig ihre Flucht aus Deutschland, was aus verschiedenen Akten hervorgeht. Am 02.02.1939 reiste er nach Tel Aviv in Palästina und sechs Wochen später kam Betti am 17.03.1939 nach. Sie mussten eine Auswandergebühr in Höhe von 9.250,00 Reichsmark zahlen. Dazu eine Abgabe für Zoll, Spedition, Umzugsgut und Freigabe von über 15.000,00 Reichsmark. Ihr Besitz kam jedoch nie an, auch das Vermögen wurde eingezogen. Im Dezember 1939 übersiedelten sie in die USA. Julius Juda verstarb am 10.05.1973 und Betti am 22.02.1984 in Indianapolis Marion County Indiana in den USA. Betti und Julius Juda stehen exemplarisch für den legalisierten Raub an jüdischen Bürgern in der NS-Diktatur.

 

Dr. Max Birk

6.) Josephs Sohn,Max machte Abitur an der Oberrealschule in Fulda und trat als Kriegsfreiwilliger 1914 der Arme bei. Nach Ende des Krieges nahm er sein Studium als Tierarzt in Berlin auf und wechselte 1920 -22 nach Gießen, um seine Approbation zu erhalten.

1922 wird er als Tierarzt in Gemünden erwähnt und führte die dortige Praxis bis 1936; 1930 promovierte er in Berlin. Er heiratete Lea Eisenmann (geb. 04.10.1901), eine Lehrerstochter aus Würzburg.  Die gebürtige Westheimerin soll als Lehrerin bis zu ihrer Heirat tätig gewesen sein. Zwei Kinder kamen auf die Welt: Sohn Walter (später Shlomoh) 1930 und Tochter Mirjam 1936. Auf Druck des Regimes emigrierte die Familie 1936 nach Palästina, wo Max Birk zunächst Mitglied der "Special forces against arab terror attack" war und später weiter als Tierarzt praktizierte. Beim Ausüben seiner Tätigkeit zog er sich eine Infektion zu, deren Folgen er am 17.04.1943 erlag.

 

NN, Alois Weiß, Fritz Alt, Hans Staubitz, Max Birk, Mitte 1920er Jahre

 

6.) Josephs Sohn Otto David konnte 1937 nach New York immigrieren. Er heiratete am 27.10.1947 in Indianapolis Ilse Kleimenhagen, die ebenfalls immigrieren konnte. Otto David verstarb am 07.01.1955 in Indianapolis, Marion, Indiana, USA und Ilse am 18.03.2003.

 

4.) Sohn Davids: Aron Birk, von Beruf Handelsmann, heiratete am 04.07.1864 Debora Schuster (siehe Familie Schuster). Beide wohnten im Haus 129, heute: Im Hof 5. Debora verstarb mit nur 40 Jahren zwei Tage nach der Geburt ihrer Tochter Debora an den Folgen der wohl schweren Geburt am 15.11.1876 und Aron am 06.03.1909 in Sterbfritz.

 

Zusammen hatten sie folgende Kinder:

Betti, geb. am 21.03.1865, gestorben 18.04.1865

Karolina, geb. am 17.06.1866

Betti, geb. am 13.07.1867

Ernestine, geb. am 26.03.1869 (Emma)

David, geb. am 28.04.1870, gestorben 05.03.1871

Michel, geb. am 28.02.1872

Helena, geb.am 22.10.1873

Samuel, geb. am 19.05.1875

Debora, geb. am13.11.1876, gestorben am 25.02.1877

 

5.) Arons Tochter Karoline heirate am 14.09.1892 in Wächtersbach den Metzger Feist Hess, geb. am 15.02.1866 in Lohrhaupten, wo sie eine Metzgerei führten. Nach dem Tod der Frau zog Feist wohl zu seiner Tochter nach Bad Orb ins Haus 71. Feist betätigte sich im Alter als Viehhändler und starb am 11.12.1921 in Bad Orb.

 

Joseph Bär um 1940

5.) Arons Tochter Betti heiratete am 24.08 1893 den Handelsmann Joseph Bär aus Crainfeld im Vogelsberg. Nach der Ehe zog sie zu ihrem Mann nach Crainfeld.1894 übergab der Schwiegervater das Anwesen den jungen Eheleuten; drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Joseph handelte, wie aus einem Eintrag eines Gewerbebuches aus Crainfeld zu entnehmen ist, mit Eisenwaren, Vieh und Salz. Auch schlachtete er ab und an. Nachdem seine Frau am 19.12.1936 in Carainfeld verstorben war, zog er zu seiner Tochter Elsa nach Sterbfritz, die den Pferdehändler Jakob Hecht geheiratet hatte. Im hohen Alter musste er in das Ghettohaus „Unter den Linden“ nach Schlüchtern umziehen. Am 5. September 1942 wurde er von dort nach Theresienstadt verschleppt und am 29. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka vergast.

 

 

5.) Arons Tochter Ernestine, genannt Emma, heiratete am 03.01.1898 in Sterbfritz den Kaufmann Salomon Adler. Nach der Heirat zog sie zu ihrem Mann nach Altwiedermus bei Lieblos und betrieb mit ihm einen Gemischtwaren- und Textilhandel. 1838 zogen sie nach Frankfurt zur ihre Tochter Dina. Die letzte bekannte Adresse in Frankfurt war die Schwanen-Straße 12, von dort sind alle in das Ghetto Theresienstadt deportiert worden, wo Emma wenige Wochen später am 10.10.1942 im Alter von 73 Jahren verstarb.

 

Im Hintergrund das Haus um 1943

5.) Arons Sohn Michel heiratete am 26.06.1900 in Sterbfritz Flora Schuster aus Sterbfritz (siehe Familie Schuster). Er handelte mit Vieh. Sie wohnten in im Hof 3 einer der heften das Doppelhaus was früher einmal der herrschaftliche Schafstall war. Aus der Ehe gingen zwei Kinder, Toni und Max, hervor. 1925 hatten sie schon einen Telefonanschluss Nr. 31. Sie zogen zur Miete bei Schusters in die Brückenauerstraße 12. Nach den Novemberpogromen 1938 zog die Familie nach Frankfurt in die Brüder Grimmstraße 3. Nach nur drei Tagen in der neuen Wohnung verstarb Flora am 30.12.1938 an einem Herzinfarkt. Michael wurde im Sommer 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz vergast.

 

Die Kinder: 

Max, geb. am 17.04.1901

Toni, geb. am 1904

 

6.) Max und Toni gelang die Flucht vor den Nationalsozialisten in die USA. Toni heiratete Erich Schuster und verstarb 1976.

 

5.) Arons Tochter Helena heiratete am 23.05.1902 in Sterbfritz den Handelsmann Heinemann Klingenstein aus Mittelsinn, geb. am 17.03.1873 in Wertheim. Er verstarb am 25.08.1937.

 

5.) Arons Sohn Samuel, ein Kaufmann, heiratet Rosa Hecht aus Bonnland. Sie wohnten zur Miete in der Breuningserstraße 10, wo ihr Sohn Leopold geboren wurde. Später zogen sie nach Fulda und wohnten in der Nikolausstraße 3. Samuel verstarb am 27.08.1935.

 

Kinder: 

Leopold, geb. am 25.06.1905., konnte wohl immigrieren. In Fulda wurde Schwester Thea geboren 1907.

 

3.) Jüttels Sohn Raphael Birk, geb. im Jahr 1803.

Er war Schofarbläser in der jüdischen Gemeinde in Sterbfritz und heiratete Gitel Gerson (Gertrude) Straus aus Zeitlofs am 13.07.1835. Seine Frau verstarb am 27.08.1851 und Raphael verstarb am 10.08.1871 im Alter von 68 Jahren.

Kinder:

Kalmann (Charles), geb. am 23.06.1844

Gerson Michael, geb. am 12.03.1841, gestorben am 23.03.1841

Bertha, geb. am 01.09.1836

Hannchen (Hanna), geb. am 27.04.1837

 

4.) Dessen Sohn Kalmann wanderte 1857 in die USA aus. Er heiratete die in Maryland geborene Rebecca (geb. 1854) im Jahr 1872. Er nannte sich nun Charles Burk.


 

Sie wohnten in Baltimore, wo sie am 18.10.1911 und er am 17.10.1913 verstraben.

(In einen Stammbaum auf Ancestry wird berichtet, dass er später seine Nichte geheiratet hätte.)

                

4.) Dessen Tochter Bertha wanderte ebenfalls in die USA aus. Sie heiratete Henry Fensterwald, der ebenfalls aus Deutschland eingewandert war. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Bertha verstarb am 10.08.1908 in Baltimore (Maryland); ihr Mann war schon 1897 verstorben.

 

4.) Hanna heiratete in Sterbfritz am 09.05.1871 den aus Schlüchtern stammenden Seligmann Rothschild. Sechs Kinder gingen aus der Ehe hervor; um 1886 wanderten sie in die USA aus, wo Hanna am 23.01.1927 verstarb.

 

Die Familie des zweiten Sohnes von David - Samuel Birk

Das Haus in den 1970er Jahren

2.) Aus Samuel, Sohn des David, wurde Samuel Birk, geboren am 08.10.1762 in Sterbfritz. Er bewohnte das Haus 64, heute Im Aspen 4.

 

Er war Gemeindevorsteher und verheiratet mit Mirjam, die am 31.10.1819 verstarb. Danach hat er wohl ein zweites Mal geheiratet. Im Alter von 75 Jahren verstarb er am 27.12.1837. Seine zweite Frau Rösche verstarb nach 18 Jahren Witwen-Dasein am 04.05.1855. Sie soll eine angesehene und tüchtige Frau gewesen sein, was aus der Inschrift auf ihrem Grabstein hervorgeht.

 

Kinder: 

David, geb. am 02.02.1799

Simon, geb. am 01.08.1800

Rikel, geb. um 1804

Bela (Betah), geb. um 00.00.1807

 

3.) Tochter Rikel blieb ledig; sie wohnte wahrscheinlich in ihrem Elternhaus und verstarb am 12.03.1862. 

 

3.) Tochter Bela heiratete in Oberzell am 04.09.1831 Esriel (Israel) Hecht. Sie verstarb im Alter von 54 Jahren am 05.03.1862 in Oberzell.

 

3.) Der Sohn David, ein Handelsmann, übernahm das Elternhaus.

 

Eintrag im Gebäudesteuerbuch 1847, laufender Nr. 80, Hausnummer 64, Bewohner: 1 Mann, 1 Frau, 1 Sohn, 6 Töchter.

 

Verheiratet war er mit Rechel Strauss und verstarb am 20.03.1843. Seine Frau Rechel verstarb am 27.09.1879 in ihre Wohnung.

 

Kinder: 

Marjana, geb.1821

Felgel (Vogel), geb.1822 

Jetel (Jutta), geb.1824 

Sprinz, geb. 1828

Simon, geb. am 09.07.1831

Gittel (Karoline), geb.am 31.12.1835 

Hanchen, geb. am 00.00.1837

Madel (Mathilde), geb. am 29.03.1840 

 

4.) Dessen Tochter Marjana heiratete den aus Elm stammenden Hirsch Katz am 06.09.1843 in Vollmerz. Mit 27 Jahren verstarb sie in Elm am 14.09.1848. Nach einem Jahr Trauer heiratete er seine Schwägerin Sprinz am 29.05.1849 in Schlüchtern.

 

4.) Dessen Tochter Hanchen heiratete den aus Gudenberg stammenden Isaak Emmerich, der die Stelle des Lehners in Rhina von 1862 bis 1902 versah und mit dem Adler des Königlichen Hausorden Hohenzollern ausgezeichnet wurde. Hanchen verstarb am 23.05.1902 und Isaak am 05.03.1907 in Rhina.

 

4.) Dessen Tochter Felgel starb als 10-jähriges Mädchen am 20.05.1833.

 

4.) Dessen Tochter Jetel heiratete Raphuel (Raphael) Schuster.

Siehe Lebensgeschichte Raphuel Schuster.

 

4.) Dessen Tochter Gittel (Karoline) wanderte 1853 in die USA aus. Sie heiratete den aus Crainfeld stammenden Sigmund Sommer (geb. am 18.12.1831), der schon 1850 mit seinen Eltern ausgewandert war. Acht Kinder kamen zur Welt; Sigmund verstarb am 20.12.1909 und Gittel Karoline am 22.12.1925 in Cincinnati Halmilton in Ohio.

In der Mitte Gittel und Sigmund mit ihren Kindern

 

4.) Dessen Tochter Sprinz heirate den Witmann, ihren Schwager Hirsch Katz aus Elm, am 29.05.1849 in Schlüchtern. Sie zogen wohl nach Schlüchtern und wohnten in der Hanauerstraße. Sie verstarb mit 84 Jahren am 22.10.1912 in Schlüchtern.

 

4.) Dessen Tochter Madel (Mathilde) heiratete Juda Birk (siehe Nachkommen David und Bella Birk).

 

4.) Dessen Sohn Simon heiratete Klara Straus; er übte den Beruf des Metzgers aus. Sie wohnten ebenfalls im Haus 64. Er kaufte wohl um 1895 das Haus in der Brückenauerstraße 28, denn in der Gebäudesteuerrolle wird er als Besitzer geführt und übergab es so um 1899 seinem Sohn Samuel. Er zog wohl zu seinem Sohn Jakob Im Hof 10, wo er auch am 02.01.1910 verstarb. Klara zog nach dem Tod ihres Mannes zur ihrer Tochter Hannchen nach Werdorf, wo sie am 16.08.1915 verstarb.

 

Kinder: 

David, geb. am 23.04.1860

Abraham, geb.am 09.03.1862

Sara, geb. am 1866, gestorben am 13.10.1884

Moses, geb. am 04.12.1868

Samuel, geb. am 11.02.1871

Hannchen, geb. am 02.05.1873

Marjana, geb. am 24.05.1875

Leopold, geb. am 21.04.1877

Todgeburt, am 22.10.1879

Jakob, geb. am 27.11.1881

 

5.) Simons Tochter Hannchen heiratete am 09.05.1898 in Sterbfritz den Handelsmann Salomon, genannt Sally Salomon, geboren am 29.11.1868 in Werdorf im Kreis Wetzlar. Hannchen verstarb am 12.04.1936 in Werdorf. Ihr blieben die weiteren Schrecken der NS-Diktatur erspart.

 

5.) Simons Sohn David heiratete Theresa Baumann. Er war Metzger wie sein Vater. Sie wohnten im elterlichen Haus. 1888 wurde deren Sohn Moses geboren, danach muss die Familie wohl nach Gemünden gezogen sein. Dort starb David am 07.01.1938. Sein Sohn Moses heiratete Karolina Schwarzschild in Aschaffenburg am 20.01.1920. Er Betrieb in Gemünden einen Schuhhandel. Sie bekamen einen Sohn, Max (geb.1922). In der Reichspogromnacht war ihr Haus das einzige verwüstete unter der jüdischen Bevölkerung, denn einer der SS-Männer hatte es auf das Eiserne Kreuz abgesehen, das sich Moses im Ersten Weltkrieg erworben hatte. Ihnen gelangte die Immigration und der SS-Mann bekam seine „Trophäe“. Moses ist im Mai 1989 in Brooklyn in New York verstorben.

 

5.) Simons Sohn Abraham, heiratete am 08.05.1890 in Laudenbach Fanni (Feil) Frank (*20.05.1857), gebürtig aus Laudenbach bei Karlstadt. Sie wohnten zur Miete bei Konrad Scheel im Haus 62 (heute Im Aspen 1, gegen über des Elternhauses). Abraham arbeitete ebenfalls als Metzger im Betrieb seines Vaters. 1891 bekamen sie eine Tochter, die aber 3 Tage nach der Geburt ohne Namen starb.  Sie zogen später in sein Elternhaus. Fanni verstarb am 12.04.1931 in Sterbfritz; Abraham wohnte zuletzt in Frankfurt, Niederau 25. Von dort wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er am 05.09.1942 verstarb.

 

5.) Simons Sohn Mose heiratete am 18.08.1891 in Laudenbach bei Karstadt Ida Frank (*06.05.1855) die Schwester von Fanni, die Frau seines Bruders. Sie betrieben dort eine Metzgerei in ihrem Elternhaus, Unters Dorf, Hausnummer 15. Fünf Kinder gingen aus der Ehe hervor: Rosalia, Amson, Leo, Willi und David. Sohn Amson verstarb mit nur 23 Jahren 1916 im Ersten Weltkrieg. Das Schicksal traf die Familie ein zweites Mal: Am 08.03.1933 wurde Sohn Meier Tod in der Scheune aufgefunden, er hatte sich erhängt.  1938 verkauften sie das Haus in Laudenbach und zogen in ein Altersheim nach Würzburg in der Dürer-Straße 20. Ida verstarb am 24.01.1941 in Würzburg, am 23.09.1942 wurde Mose nach Theresienstadt deportiert und ist im Alter von 72 Jahren, wahrscheinlich an den schlechten Lebensbedingungen im Ghetto, am 25.12.1942 verstorben.

 

Der Sohn Leo, geboren am 01.06.1895 in Laudenbach, zog nach Sterbfritz und wohnte im Haus des Großvaters. Mit seinem Onkel führte er die Familienmetzgerei weiter. Am 02.09.1922 heiratete er in Niederrodenbach die von dort stammende Betti Kösterich, geboren am 02.08.1903.

 

 

Leo war aktives Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr in Sterbfritz. Sein Sohn Siegfried ist am 03.06.1924 geboren und 1927 stellte sich noch einmal Nachwuchs ein: Sohn Kurt wurde am 02.01.1927 geboren.  Auch sie besaßen schon früh ein Telefon (Rufnummer 32). Am 14.11.1932 wurde die Ehe durch das Landgericht Hanau rechtskräftig geschieden. Er heiratete in Laudenbach am 06.09.1933 ein zweites Mal: Selma Rothschild, die er aus seiner Jugendzeit kannte. Er verließ Sterbfritz mit den beiden Jungen und zog nach Laudenbach, um dort die Metzgerei seines Vaters weiterzubetreiben. Am 16.10.1934 wurde Tochter Susanna geboren. Leo immigrierte in die USA im August 1936. Seine zweite Frau folgte ihm mit den Stiefkindern Siegfried und Kurt sowie der gemeinsamen Tochter Susanna am 02.05.1937 in die USA. Allem Anschein nach wurde diese Ehe 1939/40 geschieden, denn am 03.04.1940 heiratete er seine Ex-Frau Betty wieder. Sie konnte 1938 ebenfalls emigrieren. Seine zweite Frau lebte mit Tochter Susana nach Volkszählungsunterlagen in Chicago, Cook, Illinois Augusta Boulevard 2033 und arbeitete als Hausangestellte.  Sie verstarb 1977. Am 11.02.1987 verstarb Leo und Betty am 05.03.1995 in St. Petersburg Pinellas Florida USA. 

Über dessen Sohn Siegfried habe ich weiter nichts gefunden; nur, dass er im selben Ort am 23.05.1990 starb.

Kurt hatte ein turbulentes Leben: Er heiratete dreimal und wurde zweimal geschieden, weshalb er fünf Kinder aus zwei Ehen hatte. Er starb am 01.11.2013 in Raleigh North Carolina USA.

 

Das Wohnhaus 2020

5.) Simons Sohn Samuel, heiratete Fanny Rotschild aus Schlüchtern (geb. am 01.03.1873) in Schlüchtern am 28.06.1898. Er diente im Ersten Weltkrieg und wohnten im Haus 80 (heute

Brückenauerstr. 28) bis er das Anwesen um 1901 an den Schweinehändler August Glock verkaufte. Sie zogen nach Frankfurt, wo der letzte gemeldete Wohnsitz die M. Hölderleinstr. 2 war. Sie wurden beide in das KZ Theresienstadt verschleppt, wo Fanny am 09.11.1942 und Samuel am 13.01.1943 starben.

 

Kinder:

Jenni, geb. am 09.04.1899

Rosa, geb. am 07.06.1900

 

 

5.) Simons Tochter Marjan heiratete am 22.05.1905 in Bausendorf  in Rheinland-Pfalz den Metzger und Handelsmann Lion Mayer, geb. 11.01.1875 in Bausendorf. Marjana verstarb am 13.05.1922 in Bausendorf. Lion heiratete zum zweiten Mal: Adele Levy, geb. am 04.11.1882 in Illingen. Sie zogen nach Wittich in die Oberstr. 56. Am 07.09.1939 zog die Familie mit Tochter Irma, geb. am 02.09.1917 nach Köln, Kleiner Griechenmarkt 8. Von dort wurden sie nach Litzmannstadt am 30.10.1941 deportiert und wohnten im Ghetto in der Krobgasse 3/3.

Lion verstarb am 13.05.1942 und Adele am 10.07.1942 im Ghetto. Tochter Irma wurde am 20.09.1942 wahrscheinlich nach Bergen Belsen deportiert; sie gilt heute als verschollen. Lion und Marjana adoptierten Norbert, der als Kind mit einem älteren jüdischen Mann aus Polen kam; er soll am 28.02.1891 geboren worden sein und wohnte in Wittich in der Kirchstr. 3. Am 24.06.1938 wurde er ausgebürgert; auch er gilt als verschollen. Die Kinder Selma, geb. 1910 und Fritz (Siegfried), geb. 1911, konnten immigrieren und haben den Holocaust überlebt.

 

5.) Simons Sohn Leopold, wohnte in Fulda in der Von Schildeck Straße 10. Von dort zog er am 11.11.1938 nach Frankfurt im Röderbergweg 77. Er blieb ledig und starb im Krankenhaus der jüdischen Kultusvereinigung Frankfurt am 10.03.1940.

 

5.) Simons Sohn Jacob wohnte zur Miete im Hof 10, dem ehemaligen Schulgebäude. Die Eltern haben ca. 10 Jahre bei ihm gewohnt und nach dem Tod seines Vaters zog die Mutter zu seiner Schwester nach Werdorf. 

 

 

Er Heiratet Ida Rosenbaum in Würzburg am 16.05.1911. Sie stammte aus Buttenviesen und wurde am 30.11.1883 geboren. In Sterbfritz handelte er mit der Manufaktur Weiß – und Wollwaren. Sie zogen um 1912 bei der Metzgers-Familie Heinrich Müller zur Miete in die Brückenauerstr. 13 in den 2 Stock ein. Sie bekamen zwei Kinder: 

 

Siegfried, geb. am 27.05.1913

Reta, geb. am 03.06.1912 (Renate)

 

Die Familie soll nach Augsburg gezogen sein. Sie alle konnten emigrieren. Jakob erst nach Haifa und dann nach New York. Ein Sterbedatum von Jakob und Ida konnte nicht ermittelt werden.


 

6.) Tochter Reta: Sie heiratete am 12.03.1939 Leon Manasse, gebürtig aus Thalheim; in New York bekamen sie eine Tochter. Leon verstarb am 09.08.1982 in New York und Reta am 13.10.2001 in Maryland.

 

6.) Siegfried wird als Kaufmann in Augsburg genannt und wohnte in der Bölkstr. 32/0. Seine deutsche Staatsangehörigkeit wurde annulliert, da er in die USA immigrieren konnte.

 

3.) Samuels Sohn Simon verheiratete sich mit Fanny (Fradche) Katz. Er verstarb am 20.04.1843 mit 43 Jahren und seine Frau am 26.09.1867.

 

Kinder:

Samuel, geb. am 16.05.1839

 

4.) Dessen Sohn Samuel erlernte den Beruf des Lehrers im Lehrerseminar in Schlüchtern. 1859 nahm er eine Stelle als Hauslehrer in Wollstadt an und kam 1861 in den öffentlichen Schuldienst. Danach war er in Wachenbuchen bis 1874 tätig und wechselte nach Meerholz. Er heiratete die aus Niederwollstadt stammende Sarra (Settchen) Strauss, geb. um 1841. Am 01.10.1909 ging er in Ruhestand. 

 

Der Israelit vom 20.05.1929


Seine Frau verstarb am 17.11.1917 und er am 28.08.1930 im Alter von 91 Jahren.
 

Der Israelit vom 05.09.1930

 

 

 

Quellen:

  • Unsere Heimat. Mitteilungen des Heimat und Geschichtsvereins Bergwinkel e.V. Schlüchtern 1998 (Band 14).
  • Staatsarchiv Marburg 82c 878 Annahme von Familien Namen 1811,
  • Standesamtunterlagen ab 1874, 
  • Synagogal Bücher vor 1874, 
  • Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, 
  • Jüdische Tierärzte im Deutschem Reich von Georg Müllers 2002, 
  • Jüdische Gemeinde – Chronik Crainfeld, 
  • Gedenkliste Witticher Juden von Marianne u. Werner Bühler, 
  • alemannia judaica: Sterbfritz-Rotenburg-Meerholz-Gemünden, 
  • Lagis Jüdische Grabstätten in Hessen, Ausgeplündert und Verwalte - Geschichte vom legalisierten Raub an Juden in Hessen von Bettina Leder – Christoh Schneider u. Katharina Stengel, 
  • Stammrolle der Gemeinde Sterbfritz 1824, 
  • Diverse Stammbäume aus Ancestry, u. Geneanet, 
  • Förderkreis Synagoge Laudenbach Herr Schirmer, 
  • Sie waren unsere Nachbarn. Judenfamilien in der Nazizeit. Jahrbuch zur Geschichte u. Gegenwart, Karlstadt 2013.

Juni 2022

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