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Sterbfritzer Dorfchronik
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Die Butterhannese

Johannes Böhm

Unser Hausname an der Weiperzerstrasse 13 war: „Die Butterhannese“

 

Hausnamen waren in Sterbfritz vermutlich seit sehr langer Zeit im Gebrauch. Heutzutage werden sie nur noch selten benutzt, eher von den älteren Einheimischen.

Als Ursprung sind z. B. der Name eines früheren Hausbewohners, dessen Beruf (früher oder aktuell) oder die besondere Lage des Hauses denkbar. Oft ist es aber auch eine unklare Herkunft, da die Hausnamen über Generationen verwendet wurden, der Grund dafür aber vergessen ging. 

Mit dem Wachstum des Dorfes verzweigten sich die alteingesessenen Familien, so dass es immer mehr Einwohner mit dem gleichen Familiennamen gab. Dazu hatten einige auch noch den gleichen Vornamen, denn in früheren Zeiten waren die gebräuchlichen Namen nicht so vielfältig wie heute. Oft war mit Nennung des Namens nicht unbedingt klar, welche Person gemeint war. Wurde dagegen Hausname plus Vorname angegeben, war jedem Einwohner klar, wer gemeint war.

 

In der Weiperzerstrasse („Zähfensterstross“) war an Hausnamen kein Mangel. Es gab z. B. die „Heechhoenesch“, die „Oberrölls“ und die „Önnerrölls“, die „Schneierhannese“, die „Ullerichs“, die „Spühres“, die „Schüschdesch“, die „Schummose“, die „Hannekloose“ und eben uns, die „Butterhannese“.

 

Während die Herkunft der meisten mir bekannten Hausnamen für mich als Kind und Jugendlichen schon im Dunkel der Geschichte verschwunden war, erfuhr ich die Herkunft unseres doch etwas eigentümlichen Hausnamens aus den Erzählungen meines Vaters Erhardt und meines Grossvaters Andreas Böhm.

 

Er erklärt sich aus der Tätigkeit meines Urgrossvaters Johannes Böhm (1856 - 1931), der eine Zeit seines Lebens als Butterhändler arbeitete.

 

Leider weiss ich nur wenig über ihn, aber er muss ein ruhiger und gutmütiger Mann gewesen sein, wie die Anekdote meines Vaters nahelegt, als er als Bub mit seinem Grossvater im Herbst mit den Geissen „ausse ins Buch“ gegangen ist. Während der Nachbar, „Vetter Öht“, sich Mühe gab, mit seinen Geissen immer voran zu sein, um die dicken Falläpfel an der Strasse nach Breunings für seine Geissen auflesen zu können und nur die kleinen liegen liess, meinte der Butterhannes zu seinem Enkel: „Lässen nur, der musse all die Äppel veschneid. Mir kanne die kloane de Gass so gegab.“

 

Irgendwann also ist mein Urgrossvater auf die Idee mit dem Butterhandel gekommen, der so ablief: in Sterbfritz und den Nachbardörfern bis zur Ziegelhütte kaufte er bei Bauern selbstgemachte Butter ein. Mit einem hölzernen Schubkarren, dessen  Rad mit Eisen beschlagen war, wurde diese zusammengeholt. Einmal pro Woche fuhr er mit seiner Ware per Bahn von Schlüchtern nach Offenbach. Vorher musste er die Butter aber erst einmal mit seinem schweren Schubkarren auf dem kürzesten Weg zum Zug bringen. Die Straße war nicht geteert und ging von Sannerz durch den Wald nach Herolz und dann in Schlüchtern hinauf zum Bahnhof.

 

Dort belieferte er seinen Kundenstamm im Haustürverkauf. Die Butter konnte er bei einem Bäcker im Kühlhaus zwischenlagern, der am Ende die nicht verkaufte Butter zum Selbstkostenpreis übernahm. Eine Hilfe vor Ort war die Tochter des Butterhannes, Elisabeth („Tante Liese“), die in Offenbach verheiratet war. Auch er hatte vor seiner Heirat eine Zeit lang in Offenbach gewohnt.

 

Als Jugendlicher ist mein Grossvater daher öfter nach Schlüchtern gelaufen, um die leere Schubkarre heim zu holen, damit sein Vater nach dem langen Tag mit dem Zug über Elm nach Sterbfritz durchfahren konnte.

 

Wie lange mein Urgrossvater auf diese Art sein Brot verdiente, weiss ich nicht. Es müssen aber einige Jahre gewesen sein, sonst wäre sein „Job“ wohl nicht als Hausnamen hängen geblieben. Der Butterhandel wurde später von seiner Frau, Katharina Böhm (1863-1951), weiter geführt.

 

Erstellt Werner Böhm (geb. 1950)

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