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Sterbfritzer Dorfchronik
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Silvester und Neujahr

Das Veitsgäulje

Das Leben im Bergwinkel hatte schon immer einen übers Jahr festgelegten Ablauf. Dieser wurde von der Natur, aber auch von der Kirche bestimmt und wurde nur durch Katastrophen wie Seuchen, Kriege und Unwetter gestört. Gleich zu Beginn des Kalenderjahres wurde in der Silvesternacht im Anschluss an den Kirchgang das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt.

 

In Sterbfritz, aber auch im Kirchspiel Ramholz, gab es den Brauch des Veitsgäulje-Umzugs (auch Feizjes-Gäulje oder Neujoahrsgäulje). Die Jugendlichen – meist der Bloogesellschaft – zogen mit Veitsgäulje (von Sankt Veit) – in ihrer Mitte von Haus zu Haus und wünschten ein Gutes neues Jahr. Wichtig war es, dass man beim Zuspruch das Veitsgäulje anschaute, denn nur so hatte man Glück fürs ganze kommende Jahr. Woher der Brauch stammt ist nicht mehr überliefert.

 

Die Gesellschaft hatte eine genaue Abfolge an Figuren. Einer der Burschen ließ sich zu einem Gäulchen herrichten. Um die Hüften wurden zwei Stangen befestigt, die vorne einen Pferdehals und -kopf aus Draht und Pappmaschee trugen, während hinten ein Pferdeschweif baumelte. Die Stangen nebst Bursche waren so von einem Tuch bedeckt, dass das Ganze wie etwas Einheitliches aussah, wie ein Reiter auf einem Pferd. Der Schimmelreiter hatte eine alte Uniform an und trug das Gestell, sein Adjutant führte das Veitsgäulje. Im Laufe der Jahrzehnte verlor sich die Bedeutung der anderen Figuren und wurde einfach durch neue ersetzt. So kamen Matrosen, Schornsteinfeger, Clown, Bäcker dazu.

 

 

Nun zog das Gäulchen durch das Dorf, wiehernd, ausgelassen, springend, mal den Kopf senkend, mal aufhebend, hinter ihm all die Dorfburschen singend und jauchzend. Eine Ziehharmonika ließ dazu lustige Weisen erklingen. Man zog vor die Häuser und ließ sich mit Würsten, Eier, Brot, Kuchen und sonstigen essbaren Dingen beschenken. Zuletzt suchte man die Wirtschaft auf, und mit Bier und Schnaps wanderten die Spenden in den Magen.

 

Dieser Brauch ging leider verloren, 1986 lief das Veitsgäulje das letzte mal durchs Dorf und brachte diese Geste des Glücks in die Häuser.

 

'Veitsgäulje'-Gesellschaften von den 1920er Jahren bis in die 70er

 

Neujährje

Am ersten und zweiten Januar zogen die Bedürftigen aus den Dörfern der nächsten Umgebung von Haus zu Haus und holten sich ihr ,Neujährje'. Sie sagten ihre guten Wünsche und empfingen dafür eine Gabe. Die Bauersfrauen buken kleine Brotlaibe für diesen Zweck, während die anderen Leute eine kleine Geldspende gaben. Auch die Kinder ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, durch einen frommen Neujahrswunsch ein paar Pfennige zu verdienen.

 

Am 1. Januar kochte die Hausfrau Sauerkraut, um – nach altem Volksglauben – das ganze Jahr über reichlich mit Geld bedacht zu werden.

 

Von Dirk Ebenhöch und Jochen Melk

 

 

Quellen:

 

Im Land der armen Hansen von Alfred Kühnert

Gut Schabbes! Von Israel Nussbaum

Bilder: privat

 

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