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Sterbfritzer Dorfchronik
Sterbfritzer Dorfchronik

Die Familien Hecht

von Dirk Ebenhöch

 

Die Erstellung des Stammbaumes der Familie Hecht in Sterbfritz gestaltete sich etwas schwierig. Als Grundlage für den Stammbaum lag auch hier wieder das Dokument aus dem Jahr 1811 zur Annahme von Familiennamen der jüdischen Bevölkerung vor. Hier wird Mendel als schriftlicher Urvater der Familie Hecht genannt.

Auch gab es eine Frau namens Hecht, in welchem Zusammenhang sie mit der Sippe steht, ist nicht nachzuvollziehen. Sie wird als Gütel Hecht, Witwe (eventuell auch Tochter) des Jüttel (Juda) Jacob bezeichnet. Sie könnte eine Tante oder Cousine zum oben genannten Sippenvater gewesen sein.

Diese Sippe starb mit der 3. Generation hier in Sterbfritz aus, doch der Name Hecht blieb dem Dorf erhalten, denn es zogen Hechts, abstammend aus Oberzell, nach Sterbfritz.

 

Die Familie Mendel Hecht aus Sterbfritz

1.) Mendel (Menachem) Hecht hatte vier Söhne, die den Namen Hecht angenommen haben. Es werden David, Sohn des Mendel; Siemon, Sohn des Mendel; Samuel, Sohn des Mendel, und Knebel, Sohn des Mendel, in dem Schriftstück von 1811 benannt. Wer seine Frau war und wann sie verstorben sind, konnte ich nicht ermitteln.

 

2.) David Hecht wurde am 04.02.1782 geboren. Ihm gehörte die Hälfte des Hauses 56 (heute Kinzigstraße 1), wie es der Gebäudestammrolle aus dem Jahr 1824 zu entnehmen ist.

 

 

 

Verheiratet war er mit Jüdel (Jitl) Katz, sie verstarb am 11.06.1840 mit 66 Jahren. In Steuerunterlagen aus dem Jahr 1847 wird er, außerdem ein Sohn und zwei Töchter als Bewohner des Hauses genannt. David verstarb am 16.06.1854. Folgende Kinder sind bekannt:

Esther, geb. 1805, gestorben am 30.10.1861, ledig

Mendel, geb. 1809

Tochter geb. 1814

Tochter geb. um 1816

Hanche geb. 1820, gestorben am 26.11.1858, ledig

 

3.)Der Sohn Mendel übernahm die Haushälfte vom Vater. Er heiratete Sara (Sarle), geb. Strauß, am 30.06.1855 in Sterbfritz. Sie verstarb mit nur 31 Jahren am 18.09.1860. Mendel soll am 03.12.1861 ein zweites Mal geheiratete haben, und zwar Babetta Koburger. Mendel verstarb am 29.09.1864. Die Haushälfte ging an die Familie Goldschmidt über, der bereits die andere Hälfte gehörte.

Kinder aus dieser Ehe:

Jetta, geb. am 21.06.1856

Alta, geb. am 01.03.1859, gestorben am 20.03.1859

David, geb. am 11.06.1860, gestorben am 09.05.1862

Raina, geb. am 01.12.1862, gestorben am 02.12.1862

Brienle, geb. am 03.06.1864

 

Zu Jetta und Brienle habe ich keine weiteren Daten gefunden.

 

 

2.) Siemon Hecht könnte sich nach Vollmerz verheiratet haben, jedenfalls taucht dort ein Siemon Hecht auf. Ob er der aus Sterbfritz stammte, konnte ich nicht feststellen.

 

 

2.) Knebel Hecht hat sich nach Züntersbach verheiratet und drei Töchter bekommen.

 

2.) Samuel Hecht: zu ihm habe ich keine weiteren Daten gefunden.

Damit stirbt dieser Sterbfritzer Familienzweig der Hechts aus.

 

Die Familie Maier Hecht aus Oberzell

In der Mitte das Haus Im Aspen 11 um 1960

Maier Hecht ist in Oberzell um 1809 geboren und hat dort seine Frau Carolina (Reile), eine geborene Marx aus Züntersbach, am 27.08.1839 geheiratet. Sie bekamen mehrere Kinder. Etwa im Jahr 1865 hat er wohl das Haus 66 (heute Im Aspen 11) gekauft und zog nach Sterbfritz.

 

Der Sohn Samuel zog mit nach Sterbfritz. Carolina verstarb am 10.04.1884 und Maier am 05.11.1885.

 

Der Sohn Samuel (Schmuel), 1847 in Oberzell geboren, übernahm das Haus. Er hatte in Oberzell am 06.09.1875 Sara Grünebaum aus Züntersbach geheiratet. Diese verstarb mit 46 Jahren am 20.10.1898; die Ehe blieb kinderlos. Er heiratet ein zweites Mal, die aus Oberzell stammende Zerlina (Lina) Goldschmidt am 06.07.1899 in Oberzell. Samuel verstarb im Krankenhaus Fulda am 09.01.1911. Die Witwe heiratete dann Meier (Max) Hecht, geb. am 14.08.1881 in Oberzell, am 02.03.1912. Er ist ein Sohn des Ziegenhändlers und Rabbi Israel Hecht aus der Brückenauer Straße.

Meier und Lina mussten im August 1942 in das Gettohaus ‚Unter den Linden 12-14‘ zwangsumsiedeln. Von dort wurden sie nach Theresienstadt deportiert. Auf dem Weg dorthin verstarb die 71jährige Lina. Ihr Mann Meier starb nach mehr als eineinhalb Jahren am 07.04.1944 an den Folgen der katastrophalen Bedingungen im Lager.

 

Die Familie Israel Hecht

Das Haus Anfang der 1950

 

Die Familie stammte ebenfalls aus Oberzell. Trotz ihrer Armut - Israel war Ziegenhändler - sparten sie und erwarben das Anwesen Haus 78 (heute Brückenauer-Straße 34) im Jahre 1899. Israel war hier in Sterbfritz als Rabbi tätig. Mit nach Sterbfritz kamen die Kinder Lazarus, Jakob, Maier, Meier (Max) und Tochter Ester.

 

Dieses Anwesen besaß ein Gödje (Auszüglerhäuschen). Nach der Heirat Jakobs, zog sein Bruder Lazarus dort ein.

 

In der Mitte das Gödje

Der Sohn Jakob Hecht

 

Jakob Hecht geboren am 20.03.1884 in Mottgers, betrieb einen Pferdehandel und freite die aus Creinfeld im Vogelsberg stammende Elsa Baer. Sie heirateten am 30.08.1922, im Jahr 1923 wurde ihm das Haus überschrieben.

Seine Mutter Sahra verstarb am 09.04.1921 und sein Vater am 10.09.1929 in Sterbfritz.

 

In der Ehe kamen zwei Kinder zur Welt: Sohn Lothar, geb. am 13.09.1923, und Tochter Steffi, geb. am 11.12.1927. Ab 1937 lebte auch der Schwiegervater Josef Baer aus Creinfeld bei ihnen (siehe Familie Birk).

 

Die Hechts hatten alle die Schrecken der Reichspogromnacht miterleben müssen. Vermutlich wurden alle vier Brüder verhaftet und zur sogenannten Schutzhaft für einige Wochen nach Buchenwald gebracht. Zu dieser Zeit lebten die Kinder nicht in Sterbfritz: Lothar machte eine Ausbildung in Frankfurt und Steffi besuchte die jüdische Bezirksschule in Bad Nauheim.

 

Am 30.Mai 1942 wurden Eltern und Kinder über das Sammellager in Kassel ins Konzentrationslager Majdanek verschleppt. Der junge Lothar mit gerade einmal 19 Jahren wurde aus dem Zug als Arbeitssklave herausgeholt. Vater, Mutter und 14-jährige Schwester wurden im Vernichtungslager Sobibor vergast.

 

Vorne Lehrer Fries und Lazarus Hecht, in der Mitte dahinter Jakob Hecht und rechts Meier Hecht

Der Sohn Maier Hecht

 

Rechts das Haus Goldschmidt und Hecht in der Mitte das Haus von Jakob Hecht

Er heiratete in die Familie Goldschmidt ein und wohnte dadurch neben seinen Eltern und den Brüdern Lazarus und Jakob.

 

Am 25.08.1922 gab er Gieda Goldschmidt das Ja-Wort und sie zogen in die eine Haushälfte bei den Schwiegereltern ein. (siehe Goldschmidt) Zwei Kinder sind in der Ehe zu Welt gekommen: Ludwig am 26.07.1923 und Sophie am 09.02.1926. Kurz vor der Deportation kehrten die Jugendlichen aus Frankfurt nach Sterbfritz zurück, da sie dort Schule und Ausbildung machten. Auch sie wurden wie ihre Verwandten am 30.05 1942 Richtung Osten verschleppt. Ludwig erging es wie seinem Cousin Lothar - auch er wurde aus dem Zug gezerrt und zur Zwangsarbeit im Lager Majdanek gezwungen. Seine Eltern, die Schwester sowie Onkel, Tante und Cousine sah er zum letzten Mal. Nach Ankunft des Zuges in Sobibor wurden alle in den Gaskammern ermordet.

 

 

Der Sohn Lazurus Hecht

 

Er wurde in Oberzell am 15.07.1875 geboren, lebte dann mit der Familie in Mottgers, bis er schließlich mit nach Sterbfritz kam und im Anwesen seines Vaters und später seines Bruders Jakob wohnte. Er war als Hausierer tätig.

 

Durch Max Dessauers Buch „Aus unbeschwerter Zeit“ sind uns viele Anekdoten über dieses Sterbfritzer Original überliefert worden. Seine Vertrauenswürdigkeit stellt folgende unter Beweis: Da früher ja Türen nicht abgeschlossen wurden, kam es schon vor, wenn er über Land ging und auf dem Feld Kundschaft traf, dass diese ihn bat: „Gib dem Opa einen Schluck Wasser. Und wenn die Sonne so arg in die Stube scheint, mach den Klappladen zu. Und leg einen Fliegenfänger und weißen Zwirn auf den Küchentisch. Ich gebe dir dann das Geld.“

 

Da in der Reichspogromnacht das alte kleine Gödje so stark beschädigt wurde, dass es nicht mehr bewohnbar war, zog er zu seinem Bruder in eine kleine Dachkammer. Zeitlebens arm, verarmte er im Alter gänzlich, da die Rassengesetze ihm den Handel unmöglich machten. Auch er musste im August nach Schüchternen ins Gettohaus ziehen, von wo er wie Bruder und Schwägerin ins Getto Theresienstadt verschleppt und als 67-jähriger am 29.09.1942 in das Vernichtungslager Treblinka zur Vergasung deportiert wurde.

 

Die Tochter Ester Hecht

 

Ester, geb. 1872, wohnte bei den Eltern. Sie blieb ledig. Sie litt an Epilepsie, was für die Dorfbewohner unbekannt und unheimlich war. Ester verstarb am 16.04.1913 wohl an den Folgen eines Anfalles.

 

 

Der Sohn Meier (Max) Hecht

 

Heirate wie oben erwähnt die Witwe Lina Hecht aus dem Aspen.

 

 

 

 

Quellen:

  • Standesamtliche Unterlagen
  • Unsere Heimat, Mitteilung des Heimat- und Geschichtsverein Bergwinkel e. V. Band 14 1998
  • Ancestry
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