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Sterbfritzer Dorfchronik
Sterbfritzer Dorfchronik

Prof. Dr. phil. Christian Koch

 

 

 

Christian Heinrich Koch (* 31. August 1781 in Sterbfritz; † 28. Mai 1861 in Marburg) war ein deutscher Pädagoge und Klassischer Philologe.

Christian Heinrich Koch wurde am 31. August 1781 in Sterbfritz als Sohn des Zeugförster Adolph Koch und seiner Ehefrau Katharine Margarethe im Haus 34 - heute Am Rathaus 13 - geboren. Schon Großvater Wilhelm und Urgroßvater Christian waren als Förster in Sterbfritz tätig.

 

Nach dem Besuch der Dorfschule und Privatunterricht im Elternhaus konnte er als zehnjähriger in die dritte Klasse des Gymnasiums Schlüchtern eintreten. Mit 17 Jahren fing er sein Studium der Theologie in Jena an, wechselte aber 1801 nach Marburg an die Philipps-Universität Marburg. Nach dem Examen (1803) ging er für ein Jahr als Erzieher nach Frankfurt am Main. 1804 wechselte er als dritter Lehrer an das Pädagogium in Marburg, wo er fast dreißig Jahre wirkte.

 

Beruflicher Werdegang

  • 1803 Examen der Theologie
  • 1803-1804 Erzieher in Frankfurt
  • 1804 Lehrer am Pädagogium in Marburg
  • 11.08.1809 Doktor der Philologie in Marburg
  • 17.03.1810 Privatdozent für klassische Philologie an der Universität Marburg
  • 02.06.1815 außerordentlicher Professor der griechischen und Römischen Literatur und der Altertumskunde an der Universität Marburg
  • 1815-1823 Mitglied des Philologischen Seminars, dessen Vorsteher im Sommersemester 1820
  • Bis Ostern 1833 Lehrer am Pädagogium
  • 16.04.1833 ordentlicher Professor der Pädagogik an der Universität Marburg
  • Nach Ostern 1859 zog er sich zurück

 

Neben seiner Tätigkeit an der Schule verfolgte Koch eine akademische Laufbahn. Am 11. August 1809 wurde er in Marburg zum Dr. phil. promoviert, am 17. März 1810 folgte seine Habilitation. Er hielt seitdem Vorlesungen über Klassische Philologie. Am 2. Juni 1815 wurde Koch zum außerordentlichen Professor der griechischen und römischen Literatur und Altertumskunde ernannt. In seinen Vorlesungen behandelte er hauptsächlich die Methodologie und Enzyklopädie der Philologie, griechische und römische Literatur, lateinischen Stil und Pädagogik. Von Herbst 1815 bis März 1823 war er außerdem Mitdirektor des philologischen Seminars, das er im Sommersemester 1820 allein leitete. Am 16. April 1833 erhielt Koch eine ordentliche Professur der Pädagogik und hatte damit ein Auskommen, das es ihm ermöglichte, den Schulunterricht aufzugeben. Zu Ostern 1859 beendete Koch seine Lehrtätigkeit im Alter von 77 Jahren.

 

Christian Kochs Lehr- und Forschungstätigkeit zielte auf die Lehrerbildung ab. Er behandelte die Pädagogik von ihren antiken Ursprüngen an. Abgesehen von einer Schulausgabe der Odyssee (1822) und kleineren literaturwissenschaftlichen Studien trat er besonders durch die Neubearbeitung der pädagogischen Grundlagenwerke von Niemeyer und Ruhkopf hervor (1837). Da sich Koch jeglicher Polemik und Kritik enthielt, wurde das Werk von der Fachwelt wenig beachtet.

 

Koch heiratete Christine Friederike geb. Kling im Jahre 1811.

 

Er verstarb am 28. Mai 1861 in Marburg in seiner Wohnung in der Untergasse.

 

Von seinen 12 Schriften sind die bedeutendsten :

Grundsätze der Erziehung, des Unterrichts und ihrer Geschichte 1837 und Pädagogik nach Niemeyer und Ruhkopf und Katechetik 1832.

 

Quellen:

  • Kirchenbuch Sterbfritz 1759-1791
  • Kirchenbuch Marburg Ref. Gemeinde Totenbuch 1850-1867
  • Bergwinkel Bote 1998, S. 7
  • Lagis Hessische Biografie, Stand 1.7.2016
  • wikipedia, Stand 01.02.2019
  • Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, Bd. 19, S. 345-347

Zusammengestellt: Dirk Ebenhöch

 

Biographie

In dem 1831  erschienenen Werk Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte schreibt Christian Koch über sein Leben:

 

Zu Sterbfritz, einem kurhessischen Dorfe in der gefürsteten Grafschaft Hanau, ...1) wurde ich den 31. August im Jahre 1781 geboren, von Katharine Margarethe, geb. Traut, und Adolph Koch, welcher daselbst 1819 im 85ten Lebensjahre als Oberförster gestorben ist. Im Andenken des Vaters lebte noch Oswald Koch, der 1668 seine theologischen Studien in Marburg vollendete und als Metropolitan zu Lichtenau in Hessen verstarb. Über hundert Jahre verwalteten zu Sterbfritz im selbst erbauten Hause die herrlichen Buchwaldungen ihres anvertrauten Bezirks - fröhliche Reste in der Nähe der veralteten Buchonia - Christian, Wilhelm und Adolph, oder Sohn, Enkel und Urenkel jenes geistlichen Ahnherren aus den Wäldern der Chatten. Im Andenken der Mutter lebte, außer der frommen Großmutter, (die als Gastwirtin zur Neuherberg bei der ehemaligen freien Reichsstadt Gelnhausen bis zu ihrem 98ten Lebensjahre 120 Enkel zählte) nur noch deren Vater, der Pfarrer Köhler in Altenhaßlau.

 

Demnach war meine Erziehung altmodisch, fromm und streng rechtlich.... Mit den Knaben des Dorfes hatte ich Mundart, Spiele und ersten Unterricht gemein.... Es ward aber auch für etwas lateinischen Unterricht im Hause dadurch gesorgt, dass der … Vater einige junge Leute ohne Universitätsstudien, jedoch mit guten Schulkenntnissen ausgerüstet, gegenseitig (als Ausgleich für den Privatunterricht) 2) in der praktischen Geometrie unterwies. Denn bei seiner Familie von 10 Kindern schien ein sogenannter Informator zu kostspielig. So ward also Christian … dergestalt vorbereitet, dass er im 10ten Jahre seines Alters in die dritte Klasse des Gymnasiums zu Schlüchtern aufgenommen werden konnte. Der Vater, dem der eigensinnige Knabe hierzu noch zu jung scheinen mochte, führte ihn, zu Fuß seinem Pferde nach trabend damals im Februar, durch den dicksten Kot, in der Hoffnung, schon durch den Weg und bald durch Heimweh seiner von der Mutter insgeheim unterstützten Sehnsucht nach jenem Latium ein Ende zu machen. Allein vergebens; das lateinische Städtchen mit seinem alten Kloster und dem Leben der munteren Gesellen gefiel ihm.

 

Eine uralte französische Benediktiner-Abtei unter Hanauischen Schirmvögten, einst zur Würzburger Diözese gehörig - ursprünglich Solitaire oder Solitaria genannt, … dann … in Schlüchtern germanisiert - hat zuerst diesem 2 Stunden von meinem Geburtsort gelegenen Städtchen Namen und Ursprung, so wie seinem Gymnasium zur Zeit der Reformation unter seinem letzten Abte Lotichius die Entstehung gegeben.... Schade, dass dieses einst so reiche und berühmte Institut … bereits zu meiner Zeit verblüht war. Zwar hatte der Knabe treue und nicht ungeschickte Erziehungslehrer am Konrektor Schlemmer, später der Jüngling am Rektor Creß. Aber der Lehrplan, in welchen die guten Männer keinen Einfluss oder die Orts- oder Provinzialbehörde keine Einsicht haben mochte, war noch aus dem 17ten Jahrhundert, und ganz mönchisch die Ordnung der Klassen.... Ich ward bald nach dem 14ten Jahre meines Alters, im Beisein des Vaters und prüfender Zeugen, feierlich nach altgermanischer Sitte, mit Umgürtung des Degens, vom Rektor für reif zur Universität erklärt.

 

Allein mein Vater hielt mit Recht mein Alter zu einem selbstständigeren Leben noch nicht geeignet, meine Vorkenntnisse ohne Geometrie (die er mir selbst beibringen wollte) für mangelhaft, meinen künftigen Beruf für unentschieden. So musste ich dann noch drei Jahre lang zu Hause beharren, mich größtenteils allein dem eignen Forststudieren widmend, Jagd, ökonomische und Buchbindearbeiten als Erholung treibend. Denn helf your self war oft des Vaters, eines alten siebenjährigen Kriegers, Losung. Während nun die fromme Mutter den Sohn dereinst am liebsten als Pfarrer, der Vater ihn nicht ungern als gelehrten Forstmann gesehen hätten ... arbeitete der Oheim Johann Georg Koch, ein kindlich-frommer, in kontemplativer Einsamkeit verstorbener Maler aus der Schule J. H. Tischbeins, ein Jahr lang in strengen Röthelzeichnungen und geometrischen, perspektivischen und anatomischen Umrissen, ... mit ihm auf den künftigen Historienmaler los. Bald aber unterstützten wieder gütig der jetztige Kirchenrat Bode und Hofrat Schlemmer die Fortsetzung meiner humanistischen Studien mit Ratschlägen aus dem Geiste der besten Literatur des 18ten Jahrhunderts. Da geschah, dass sich allmählich aus dem Konflikte der Meinungen des 17ten Jahrhunderts, worin ich erzogen, mit denen des 18ten Jahrhunderts, besonders über religiöse Gegenstände, im jungen Denker eine stille schmerzliche Zweifelsucht entwickelte, die ihm durch nichts gründlich schien geheilt werden zu können, als durch ein wissenschaftliches Studium der Theologie, welches ich ... im Herbste des Jahres 1798 in Jena begann....

 

Ich wurde 1800 von Jena zurückgerufen, und setzte im Sommer des Jahres 1801 und 1802 meine theologischen Studien in Marburg fort, die ich durch zwei Winterhalbjahre in Sterbfritz fleißig wiederholte, bis ich endlich nach abermaliger Dispensation von dem übrigens billigen Gesetze, zwei volle Jahre auf der vaterländischen Universität verweilt zu haben, im März des Jahres 1803 mich in den Stand gesetzt sah, in Marburg, und bald darauf in Hanau , als Kandidat der Theologie, froh der überstandenen Leiden und Lehrjahre, zu absolvieren....

 

So viel von meinen Studien. Sie anzuwenden predigte ich bisweilen, und eilte, nicht mit der gehörigen Vorsicht, noch im Frühling des Jahres 1803 als Erzieher nach Frankfurt am Main, empfohlen von achtbaren Männern, in das Haus einer achtbaren adeligen Familie. Aber über den Plan nicht einig, wonach ich mehr der Hüter als der Lehrer der guten Kleinen hätte sein und meine eigene Fortbildung hätte vernachlässigen müssen, ging ich hierüber verstimmt und unpässlich, wiewohl im Frieden, wieder ins elterliche Haus zurück. Als ich mich daselbst, nach so mannigfaltigen Anstrengungen und Zerstreuungen des wechselnden Aufenthalts und Klimas, wieder etwas erholt hatte, ward ich 1804 im Herbste mit der rühmlichen aber dornenvollen “Aussicht einer akademischen Laufbahn” am Pädagogium in Marburg angestellt....Im Jahre 1809, den 11. August, erhielt ich, durch die hiesige Fakultät das philosophische Doktordiplom....

 

Ermuntert von meinen gelehrten Gönnern und Vorgesetzten, ward ich am 17ten März des Jahres 1810 Privatdozent an der Universität im philologischen Fache.... Nachdem ich … sieben Jahre möglichst unverdrossen neben meinem gelehrten Erziehungsamte am Padagogium auch an der Universität zu lehren mich geübt hatte: ward ich auf einmal, da ich es nicht mehr erwartete … teils öffentlich, teils privat … Vorlesungen gehalten hatte: fand ich endlich, dass bei der mittlerweile um die Hälfte angewachsenen Anzahl der Zöglinge des Pädagogiums (deren kombinierte Realklassen mir früher schon fast alle übertragen waren) meine Gesundheit es ferner nicht gestatten würde, einem so angestrengten doppelten Lehrfache, deren jedes seinen eigenen Mann erfordert, fernerhin nach meinen Wünschen obzuliegen. Dies wurde auch zu meiner großen Freude durch ein Schreiben des akademischen Senats vom 7ten Dezember 1822 förmlich und in den gütigsten Ausdrücken anerkannt. Seitdem bin ich dem Interesse der gelehrten Erziehung wiederum ganz zurückgegeben....

 

So viel und vielleicht schon zu viel von meinem öffentlichen und amtlichen Leben; ich mache den Beschluss mit dem häuslichen.

 

Es war nämlich im Jahre 1811, Mittwochs nach Pfingsten, als ich (nach meinem Taufscheine mit dem vollständigen Vornamen Christian Heinrich proklamiert) mit Christine Friederike Kling, Tochter des verstorbenen Fabrikbesitzers der Arche Noa in der wallonischen Neustadt Hanau, von dem Prediger, jetzt Konstorialrath Heinemann, als Freund, nach der öffentlichen Betstunde seiner Kirche, zum ehelichen Leben – bis jetzt kinderlos, doch glücklich durch Eintracht und häuslichen Frieden – zu Windecken verbunden ward. Wir lernten uns schon früher in Marburg kennen bei der nun verewigten Gattin meines Freundes Conradi in Göttingen. Diese eheliche Verbindung ward am Pädagogium erst ökonomisch möglich durch eine unter der sogenannten Zwischenregierung 1810 erfolgte (wiewohl nie erbetene) Gehaltszulage von 300 Franken, welche nachher von der wiederhergestellten Kurhessischen Regierung nicht nur allergnädigst bestätigt, sondern auch seit 1817 noch mit 70 Reichstaler jährlich vermehrt wurde....

 

Wie Manches bleibt uns also auch noch in häuslicher Hinsicht für die Erziehung überhaupt, und die gelehrte insonderheit zu wünschen, oder vielmehr mit Gottes Hilfe unter dem Schutz gerechter und christlicher Regenten zu tun übrig? - - - Darum lasst uns wirken, so lang es Tag ist, und das Übrige Gott befehlen! Denn die Schulen sind Werkstätten seines Geistes!

 

Wer kann doch seinen Willen hindern?
Kein Engel, Fürstentum, noch Tod,
Kein Hohes, Tiefes, keine Not
Kann in dem Rat nur etwas mindern!

 

  1. Die mit ... gekennzeichneten Stellen wurden gekürzt.
  2. Anmerkung der Redaktion

 

Quelle:

 

Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, Bd. 19, S. 335-347

 

Gekürzt und bearbeitet: Jochen Melk

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