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Sterbfritzer Dorfchronik
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Köhlmännerje

Köhlmännerje schnitzen – wer kennt das noch?

 

Das Köhlmännerje-Schnitzen – dieser Brauch ist in Vergessenheit

geraten, da durch die Veränderungen in der Landwirtschaft kaum noch
Futterrüben angebaut werden. Außer vielleicht von ein paar
Kleintierhaltern im eigenen Garten. Dadurch ist der Rohstoff für das
Schnitzen verloren gegangen.


Früher sind wir Kinder die Felder abgegangen, denn jeder wollte die
größte Rübe, die auf dem Acker stand, sein Eigen nennen. Dass wir die
Rüben geklaut haben, war uns nicht bewusst. Andererseits war es für
uns legitimiert, auch wenn es nicht der Acker der Familie war, da
mindestens ein Freund aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammte.
Sobald jeder sein Prachtexemplar gefunden hatte, ging es nach Hause.
Die Rübe wurde ausgehöhlt und Fratzen eingeschnitten, eine Kerze in
der Mitte festgemacht und das Köhlmännje auf eine lange Stange, meist
eine Bohnenstange, aufgesteckt.


Jetzt verging die Zeit wie im Schneckentempo, denn man war voller
Ungeduld, bis endlich die Dämmerung hereinbrach und das Köhlmännje
seinem einzigen Zweck zugeführt werden konnte.
Es machte uns Kindern einen Heidenspaß, nun endlich durch die Straße
zu ziehen und an die Fenster und Türen zu klopfen, die Köhlmännerje
davor zu halten, um so die ahnungslosen Bewohner zu erschrecken.
Danach wurde das Köhlmännje vor die Türe gestellt bis es verfaulte.
Mache Kinder stellten die Köhlmännerje aber auch nur vor die Türe oder
auf den Fenstersims ihrer elterlichen Wohnung.


Dieser Brauch fand am 31. Oktober, dem Vorabend von Allerheiligen,
statt. Es sollten nicht nur die Bewohner der Häuser erschreckt werden –
was für uns Kinder ja das wichtigste war. Die Großeltern erzählten uns,
dass damit auch die bösen Geister vertrieben werden, die sich in die
Häuser eingeschlichen haben, damit sie die Häuser verlassen und
wieder Ruhe einkehrt. Ob dies so stimmt, konnte mir kein älterer
Mitbürger aus Sterbfritz beantworten, wahrscheinlich machte das die
Köhlmännerje für uns Kinder nur interessanter.

 

Auch berichteten die Älteren, dass nicht jeder, sondern nur die Kinder
von größeren Bauernhöfen Köhlmännerje schnitzten und den ganzen
November immer wieder neue aufstellten. Da das Grundmaterial ein
kostbarer Wertstoff darstellte, durften ärmere Kinder, wenn überhaupt,
nur ein Köhlmännje aufstellen, um nicht unnötig Futtermaterial zu
vergeuden.


In gewisser Weise hat sich dieser Brauch in "Halloween" erhalten, nur
dass man jetzt Kürbisse vor die eigene Haustüre stellt.

 

 

 

 

von Dirk Ebenhöch

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